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| (Stellvertretend für ein ganzes Wimmelimperium) |
Dienstag, 22. Juli 2014
Beim Sams zuhause wimmelt es!
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Werner Holzwarth
um
10:59
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Mittwoch, 2. Juli 2014
Bis es vielleicht wieder richtig weitergeht, geht es jetzt mal anders weiter!
Ich stell jetzt hier einfach selbst mal ein Buch vor, das ich toll finde!!
Es kommt Ende des Monats auf den Markt (also bitte beim örtlichen Buchhändler vorbestellen), heißt "Klär mich auf" und hat solche Seiten:
Die tollen, humorvollen Illustrationen sind von Anke Kuhl.
Die echten Fragen (von neugierigen Kindern) zum Thema Körper, Pubertät, Liebe und Sexualität werden von der Sexualpädagogin Katharina von der Gathen erfrischend offen und im allerbesten Sinne schamlos beantwortet. Erscheinen wird das tolle Buch (in Blockform) bei Klett Kinderbuch.
Schon jetzt eines meiner absoluten Lieblinge.
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Werner Holzwarth
um
21:10
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Donnerstag, 8. Mai 2014
Tut mir sehr leid....
aber weil es immer schwieriger wird, von Verlagen, Autoren und/oder Illustratoren die Veröffentlichungsrechte für Innenseiten zu bekommen (und sei es auch -wie hier- in rein non-kommerzieller Absicht), wird dieser blog voraussichtlich nicht weiterexistieren.
Werner Holzwarth
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Werner Holzwarth
um
11:39
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Montag, 15. Juli 2013
Vier für die Ferien!
Hier kommen die Lieblingsbücher von Moni Port. Die bekannte Illustratorin, Grafikerin, Autorin arbeitet seit fast zehn Jahren in der Frankfurter Ateliergemeinschaft Labor – u.a. bekannt für die inzwischen oft kopierten Kinder Künstler Kritzelbücher.
Von ihr stammen, um nur die bekanntesten Bücher zu nennen, „Das kenn ich schon!“ (Martin Baltscheits Lieblingsbuch vom Juni 2010), „Der Krakeeler“, den sie zusammen mit Philip Waechter gemacht hat, und – ganz neu –: „Das mutige Buch“.
Moni Port stellt 4 Lieblingsbücher vor. Aber eigentlich sind es viel mehr:
"Eines meiner „Lieblingsbilderbücher“ ist MEIN TRAURIGES BUCH von Michael Rosen, illustriert von Quentin Blake. Ich entdeckte es in London in einer Buchhandlung und schon beim ersten Durchblättern war ich sehr ergriffen. Es ist ein tieftrauriges Buch.
Ein aktuelles Lieblingsbuch von mir ist Planet Willi von Birte Müller. Die Illustrationen zeigen das Alltagsleben mit Willi: Er trägt einen blauen Ganzkörperanzug, hat abstehende Haare. Im Zoo klettert auf Elefanten, zieht Panther am Schwanz, im Affengehege teilt er sich mit einem Affen eine Banane. Er küsst fremde Menschen ab, er ist unberechenbar im Straßenverkehr, rennt seinen Eltern davon und klettert auf jeden Fahrersitz, sobald sich eine Autotür öffnet. Seine Zunge hängt heraus, was andere Kinder missverstehen und ihm die Zunge ebenfalls herausstrecken. Birte Müller hat einen Weg gefunden, nicht-behinderten Kindern (aber was heisst das eigentlich überhaupt?) die Welt eines behinderten Kindes zu erläutern, ohne pädagogisch oder sentimental zu werden. Unabhängig davon unterscheiden sich die Zeichnungen von vielen anderen Bilderbüchern. Birte Müller schert sich nicht um Perspektive, und mich erinnert diese freie kompromisslose Art zu illustrieren an den ganz jungen Janosh. Sehr malerisch und frei. Für mich sind ihre Illustrationen ganz eng immer mit der Geschichte verknüpft. Beides ergänzt sich kongenial.
© "Mein trauriges Buch", Verlag Freies Geistesleben
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Werner Holzwarth
um
08:45
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Montag, 11. Februar 2013
Daniela Kulot über einen bildschönen Erstling.
Daniela Kulots, zum Teil recht schräge Bücher machen Kindern (und auch Erwachsenen) viel Spaß und sind deshalb national und international sehr erfolgreich. Die meisten davon hat sie übrigens nicht nur illustriert, sondern auch selbst geschrieben.
Und das schreibt sie über ihr Lieblingsbuch:
„Nun finde ich es sehr schwer, ein Lieblingsbuch zu nennen, es gibt so viele wunderbare Bücher. Zudem ändern sich die Lieblinge bei mir auch im Laufe der Jahre.
Deshalb habe ich ein Bilderbuch ausgewählt, das mir neulich in einer Buchhandlung ins Auge gestochen ist, was ja nicht so oft passiert, von einer mir bis dato völlig unbekannten Autorin. Klar auch, denn das Buch ist ihr Erstling: "Das Mäusehaus" von Karina Schaapman, fotografiert von Ton Bouwer, erschienen im Ellermann Verlag, 2012.
Warum ist es mir aufgefallen? Vielleicht aus dem ganz einfachen Grund, weil auf dem Cover ein Foto zu sehen ist und keine Illustration. Fotobilderbücher gab es in den 70er Jahren häufiger, und ich habe sie als Kind geliebt. Ich erinnere nur an das wunderschöne Buch "mein Esel Benjamin" von Hans Limmer, das vor einigen Jahren bei Sauerländer wieder aufgelegt wurde.
Und das Mäusehaus? Es ist die fotografierte Geschichte von den Mäusekindern Sam und Julia, die in einem riesigen Haus leben, das aus lauter kleinen Wohnungen, Treppenhäusern, Läden, Werkstätten besteht, also fast ein ganzes Dorf in einem einzigen Haus beherbergt. Und dort laufen sie herum, treffen Diesen und Jenen, erleben Dies und Das. Völlig unspektakulär, was man eben erlebt, wenn man in so einem Haus wohnt.
Aber genau das Unspektakuläre der Geschichten ist es, was einem beim Lesen in das Buch hineinfallen lässt. Die Geschichten bleiben offen, es sind einfach nur kleine Episoden, so wie es nun mal ist, im Kinderalltag: ist das Eine erledigt, macht man eben was Anderes. Wunderbar!
Ein großes Puppenhaus sozusagen.
Ja, das ist es. Auch. Und warum auch nicht?
Sogar mir als Erwachsenem geht es so, dass ich insgeheim sage, da möchte ich wohnen, da ist die Welt noch in Ordnung.
Andererseits setzt dieses Buch so viel Fantasie frei. Sofort möchte man sich ran machen, und auch so ein Haus bauen. Und seine eigenen Geschichten erfinden.
Und es ist eben nicht nur Romantik. Die Geschichten, die Sam und Julia erleben, sind Kinderalltag mit Herausforderungen. Da muss schon mal eine wummernde, mit viel zu viel Waschmittel gefüllte Waschmaschine gebändigt werden. Dann ist Julia, die nur ihre Mutter als Familie hat, neidisch auf Sams viele Tanten, zahlreichen Geschwister, die Oma und den tätowierten Opa. Da bekommen Sam und Julia in der Bäckerei nicht die Schokolade, die sie eigentlich haben wollten, denn die kostet 50 Cent, und sie haben nur 25.
Das Buch ist auch für Erwachsene ein großer Genuss, ein Augenschmauß, ein Wohlfühlbuch, ein Immerwiederansehbuch. Wie muss das erst für Kinder sein?
Um all dem noch näher zu kommen, und nachzuvollziehen, was für eine leidenschaftliche Arbeit im Mäusehaus steckt, sollte man sich unbedingt auch die Website mit dem Making-off ansehen.
http://www.ellermann.de/vorlesebuecher-kinderbuecher-bilderbuecher/das-maeusehaus.html
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Werner Holzwarth
um
13:21
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Dienstag, 11. Dezember 2012
Planet Müller
Birte Müller lernte ich kennen, als sie noch in Hamburg bei Rüdiger Stoye Buchillustration studierte. Inzwischen hat sie über 20 Bildbücher veröffentlicht. Darunter so wunderschöne wie „Auf Wiedersehen, Oma“, so skurrile wie „Fritz Frosch“ und ein so persönliches und beeindruckendes wie „Planet Willi“. Das Buch, das die Geschichte ihres Sohnes Willi erzählt, der mit Down Syndrom zur Welt kam. Ein Buch, das ich Ihnen unbedingt ans Herz legen möchte.
Nun aber zu Birtes Favoriten, bzw. zu Willis Buchtipp, wie sie schreibt:
"Ich finde es furchtbar, wenn Lektoren in der Diskussion über Buchprojekte als Argumentation die Vorlieben ihrer eigenen Kinder nutzen. „Also seit ich selber ein Kind habe“ fangen die Sätze an und enden in der Regel damit, dass sie jetzt genau wissen, was Kinder mögen, nämlich Fröhliches, Niedliches, und natürlich angeblich immer gut Erkennbares und Bekanntes.
Ein absolutes Lieblingsbuch meiner Kindheit (welches allen dieser Eigenschaften widerspricht) war das „Apfelmännchen“ von Janosch. Wenn ich es meiner Tochter heute vorlese, kommen mir selber oft die Tränen, so traurig ist die Geschichte von dem Mann, der sich nichts mehr wünscht im Leben, als dass auch an seinem Baum einmal ein Apfel wachsen sollte. Die kompromisslosen und malerischen Bilder sind so beeindruckend - Perspektive spielt keine Rolle und wirklich nichts, aber auch gar nichts in ihnen ist niedlich. Doch heute erscheint mir die Geschichte nicht mehr so rund, wie ich sie als Kind vielleicht empfunden habe. Ich habe das Gefühl, dass sie enden müsste an der Stelle wo das Apfelmännchen tieftraurig vom Markt zurückgekehrt ist: verlacht und verspottet, mit seinem einen, riesengroßen Apfel, der ENDLICH an seinem Baum gewachsen war und den ihm niemand abkaufen wollte. Vielleicht saß auch Janosch damals eine Lektorin gegenüber die sagte, dass sie, seit sie selber Kinder hat, weiß, dass Geschichten immer glücklich enden müssten. Ich dachte, dass ich eine sehr lebhafte Erinnerung an dieses Buch hatte, aber als ich es neulich zum ersten mal vorlas, merkte ich, dass ich es genau nur bis an die Stelle erinnerte, bis zu der ich das Buch bis heute unschlagbar gut finde. Das Happy End hatte ich einfach vergessen.
Meine eigenen Kinder haben meinen Buchgeschmack nicht eigentlich verändert, auch wenn ich zugegebenermaßen für meine dreijährige Tochter Olivia das eine oder andere Buch mit Elfen oder Feen drin anschaffe. Bücher für meinen fünfjährigen Sohn Willi zu finden, ist da schon schwieriger. Der „normale“ Junge in seinem Alter müsste wohl Piratenbücher oder ähnliches mögen, aber Willi schmeißt mir so etwas schlichtweg an den Kopf. Willi hat einen sehr erlesenen Geschmack, pro Jahr gelingt es mir höchstens zwei bis drei neue Bücher einzuführen, welche dann aber geradezu exzessiv vorgelesen werden müssen. Tatsächlich könnte Willi als eine Art Bestselleragent fungieren, sind es doch z.B. die „Raupe Nimmersatt“ und „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“, die zu seiner höchst minimalistischen Auswahl gehören. Aber auch der eine oder andere Jugendliteraturpreisträger war schon unter seinen Favoriten (allerdings ist auch von Nelson ein Buch dabei, das Plastikräder hat und eines von Xenos, das grässliche Musik macht, aber ich finde, das gilt beides nicht wirklich).
Das erste Buch überhaupt, an dem Willi Interesse hatte, war „Eins Zwei Drei Tier“ von Nadja Budde. Willi war damals knapp drei Jahre alt. Ich war mehr als glücklich mit seiner Wahl (ich liebe dieses Buch), auch wenn ich es zuerst recht erstaunlich fand, denn ich ging davon aus, dass Willi den Inhalt des Buches nicht verstand und wahrscheinlich auch mit dem Ablesen der meisten Bilder überfordert war. Es muss der geniale Rhythmus des Buches sein, der Willi in den Bann gezogen hat. Ich weiß nicht wie viele hundert Male ich das Buch vorgelesen habe und es ist mir kein einziges Mal auf die Nerven gegangen! Bald mussten wir es natürlich auch nicht mehr lesen - wir sprachen es auswendig. Willis kleine Schwester sagte es mit 1 ½ Jahren auswendig auf und in unserem Leben hatte es einen so festen Platz eingenommen, dass ich meinen Mann im Auto eigentlich nicht mehr fragen konnte: „Nach links?“ Ohne die Antwort zu bekommen „Nach rechts, verkehrt, Pferd!“ (Über den Witz mit dem Schakal, der bei „verkehrt“ auf dem Kopf steht, hat Willi übrigens erst zwei Jahre später angefangen zu lachen, das aber dann so maßlos, dass er die vorigen zwei Jahre, die er den Witz noch nicht verstanden hatte, schon locker nachgeholt hat.)
Der absolut perfekte Rhythmus der Reime, mit immer wieder wechselndem Tempo, in Kombination mit dem unvergleichlichen Charme und Witz der Bilder, machen dieses Buch zu Willis absolutem Einschlaf-Party-Buch! Willi kennt die meisten Tiere in dem Buch nicht und die, die er kennt, erkennt er vielleicht nicht einmal, aber das spielt keine Rolle! Ich finde ich habe wirklich großes Glück, mit Willis Geschmack, denn mit „Flosse, Fell und Federbett“ haben wir dasselbe Lieblingsbuch! Ohne mit der Wimper zu zucken lese ich es mit Vergnügen fünf Mal hintereinander vor und wenn wir dann zusammen mit den „Pfauen kauen“ und mit den „Forellen bellen“, dann amüsiere ich mich bestimmt fast so ausgiebig wie Willi. Nur gut, dass das Buch eine Pappe ist, denn sonst wären wir bestimmt schon beim zehnten Exemplar… mittlerweile wirkt das Buch wie laminiert, so viel Klebeband klebt über allen Seiten. Wir lieben dieses Buch so sehr, dass wir sogar mit „Eulen heulen bis früh um Acht. Oder etwa nicht? Dann lösch das Licht!“ Danke Nadia Budde für dieses tolle Buch!"
© Peter Hammer Verlag
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Werner Holzwarth
um
12:49
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Montag, 24. September 2012
Kathrin Schärer über ihr zweitliebstes Kinderbuch
Und dort hieß es in der Laudatio treffend:
„...Kathrin Schärers mit Bleistift, Farbkreide und Aquarell detailreich ausgeführte Tiere sind anders. Sie haben menschliche Züge. Gut, das verlangt die Konvention. Aber bei Kathrin Schärer ist die auf Tiere applizierte menschliche Mimik und Gestik nie stereotyp; im Gegenteil, sie ist sogar besonders ausdrucksstark, ja regelrecht theatralisch, als stammten sie aus einem Handbuch für Tier-Schauspielkunde...“
Hier Kathrin Schärer über ihr Lieblingskinderbuch:
"Ich habe es bei Bilderbüchern wie mit Filmen, Musik, Bildern, Romanen: je nach Technik, Thema, Stimmung, Lebensphase, kann ich mich für ein Werk begeistern.
Wenn ich von Kindern nach meinem Lieblingsbilderbuch gefragt werde, nenne ich Ihren und Wolf Erlbruchs "Maulwurf". Da ich aber in ihrem blog keine Laudatio auf Ihr eigenes Buch halten kann (obschon es immer noch eines meiner allerliebsten ist!), weiche ich auf Gabrielle Vincent aus.
„La naissance de célestine“, Casterman und „Un jour, un chien“, Casterman (die deutsche ausgabe "Hundeleben" unter ihrem richtigen Namen Monique Martin im Sauerländer Verlag ist vergriffen).
Ich bewundere Gabrielle Vincents lockeren, frechen und unglaublich ausdrucksstarken Zeichenstrich.
„La naissance“ ist mit Feder und Pinsel gezeichnet, „Un jour, un chien“ mit Kreide oder Bleistift, beide braun gedruckt.
Sie arbeitet sehr filmisch. Nimmt sich Zeit und Raum für Szenen, fährt „mit der Kamera“ langsam an die Figuren ran und erzeugt damit eine spannende Dramaturgie.
Sie schafft es, nur mittels Zeichenstrich Gefühle darzustellen, die einen berühren und sofort ins Buch eintauchen lassen. „La naissance“ mit sehr wenig Text, „un jour un chien“ ganz ohne Worte. In beiden Büchern lässt sie Tiere urmenschlichste Themen erzählen wie Vertrauen, jemanden umsorgen, Angst, Verlassensein.
Ihre beiden Figuren Ernest (ein grosser Bär) und Célestine (eine kleine Maus) eignen sich wunderbar für die Kinderbuchthemen Eltern/Kind, groß/klein.
Mich beeindruckt auch, wie sie Figuren und ihre Umgebung auf die Seite setzt. Oft deutet sie den Raum nur ganz leicht an, arbeitet einen Hintergrund nie ganz aus. Das verleiht ihren Zeichnungen den spontanen Skizzencharakter, den die meisten Bilderbuchschaffenden ansatzweise aus den eigenen Storyboards kennen und deren Lockerheit man dann im fertigen, farbig umgesetzten Buch nachtrauert. Gabrielle Vincent bewahrt sich diese bewegte Leichtigkeit, die ich so mag.
C'est ça."
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Werner Holzwarth
um
16:35
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Freitag, 20. Juli 2012
Sabine Wilharm, ist das nicht die, die Harry Potter… Richtig. Aber bei weitem nicht nur!
Eigentlich sollte es 'Der Besuch vom kleinen Tod' von Kitty Crowther sein, das ich nun trotzdem schnell allen Lesern ans Herz lege, die die Neigung kennen, auch mit den unwahrscheinlichsten Formen des Seins Mitleid zu haben und schöne, eigenartige Zeichnungen zu genießen.
Es ist 13x 18 cm gross und hat keinen extra Rücken, sondern in der Mitte geknickte Seiten, die mit Heftklammern zusammengehalten werden, so wie ich es als Kind gemacht habe, als Verlegerin von Einzelstücken. Aber es wirkt trotzdem kostbar und edel, das liegt an dem schönen, starken Papier, das man gern anfasst, und an dem intensiven Farbklang des Covers: ein kräftiges Rot mit Weiss und Hellgelb auf einem satten schwarzen Hintergrund - und das Bild, das darauf zu sehen ist, ist anziehend und geheimnisvoll.
Ich hoffe, die Bildbeispiele in diesem Text wecken Lust, das Buch kennenzulernen."
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Werner Holzwarth
um
10:20
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Donnerstag, 28. Juni 2012
Gerda Raidt über die suggestive Kraft von Bildern
Frau Kreitz war es auch, die auf Gerda Raidt aufmerksam machte. Und zwar vor allem auf deren Buch „Die Straße“. Aber nicht nur. Isabel Kreitz: „Seit langem bin ich ein Fan von Gerda Raidts Arbeiten, besonders ihre Illustrationen von Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen" finde ich sehr gelungen! Völlig begeistert bin ich von ihrer Reihe "Fünf Hefte", in denen sie Schlagertexte der 40er Jahre illustriert hat. “
Obwohl das nicht gerade Kinderbücher sind, ist es Grund genug, hier Gerda Raidt zu Wort kommen zu lassen: „Ein gutes Buch klappt man auf und reist ganz woanders hin. Man sieht die Welt mit den Augen eines anderen, erlebt dessen Erlebnisse mit und trägt sie dann mitunter ein Leben lang in sich herum. In so ein schmales Bilderbuch passt eine ganze Welt. Und das alles 2D und ohne erforderliche technische Hilfsmittel.
Ich will mich hier aber auf einen Aspekt konzentrieren, der für mich gute Bücher zu Lieblingsbüchern werden lässt. Ich nenne es hier mal die suggestive Kraft von Bildern. Damit meine ich eine unbeschreibliche Beseeltheit, die aus ein paar hingeworfenen Strichen und Farbtupfern auf rätselhafte Weise eine kleine Welt entstehen lassen kann. Manchmal kann man diese Welt dann beinahe fühlen und riechen. Das ist für mich das Tolle und der eigentliche Zauber der Sache. Es gibt Bilderbücher, die sind derart eindringlich, dass man manchmal einen realen Moment erlebt und denkt "Jetzt ist es genauso wie in dem Buch."
Dieser Zauber lässt sich schwer erklären. Ob ein Bild diesen Sog entfaltet, ist jedenfalls absolut unabhängig vom Realismusgrad. Seele kann auch ein ganz flüchtiges oder gar unbeholfenes Machwerk besitzen. Aber auch ein solches, an dem lange und gewerkelt wurde. Lockerheit scheint mir auch keine unbedingte Voraussetzung zu sein.
Manchmal seh ich Bilder, die eigentlich nur auf andere Bilder verweisen. Etablierte Kürzel für, "Baum" oder "Blume" oder "Kuh", bloße Formeln, die letztlich nichts aussagen. Oder das Handwerkliche drängt sich sehr an die Oberfläche. Oder Darstellungsmoden. Manchmal aber, in Glücksfällen, tritt das Bild als Machwerk völlig in den Hintergrund. Man vergisst beinahe, dass es sich um ein Bild handelt und nimmt einfach teil an dem was der Zeichner uns mitteilt.
Was ist das Geheimnis? Ich denke, es ist die echte Empfindung die dahinter steht. Eine wirkliche Beobachtung, gesammelte Erfahrung, Herzenswärme, eine wirklich gelebte Emotion, vor allem wohl die Emotion, und der Wille, das dem Betrachter mitzuteilen, eine Geschichte zu erzählen. Unter Abschaltung möglichst aller Eitelkeit und aller Routine. Als Zeichner sitzt man also am Schreibtisch, aber innerlich befindet man sich auf der Sommerwiese, von der man erzählen will. Ist die Wiese nicht ehrlich empfunden, schimmert am Ende im Bild immer der Schreibtisch durch.
Einer meiner Lieblinge in diesem Sinne:
Alois Carigiet
Flurina und das Wildvöglein, Orell Füssli
In den Bildern dieses Buchs kann man richtig wohnen.
Klug ist auch die Struktur: die kleinen Vignetten illustrieren ganz direkt, was im Text erzählt wird, dann kommt das Ganze in einem großen Bild zur Ruhe. Eigentlich wie eine Filmsequenz.
Das Buch ist von 1952, was man den Bildern kaum anmerkt. Der gereimte Text wirkt auf mich leider etwas altbacken und ist mit seinem schweizer Zungenschlag für nördliche Ohren etwas zäh. Aber die Bilder wiegen alles auf. (Ich neige ein bisschen dazu, dem Text alles zu verzeihen, wenn die Bilder toll sind.)
Copyright © 1995 Orell Füssli Verlag AG, Zürich
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Werner Holzwarth
um
20:02
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Dienstag, 22. Mai 2012
Isabel Kreitz über den Favoriten Ihrer Kindheit und ihr aktuelles Lieblingskinderbuch.
Spannend zu erfahren, welches Kinderbuch diese fantastische Illustratorin, die u.a. den Stil von Walter Trier so wunderbar adaptiert, für das schönste hält:
"Der Zauberlehrling", illustriert von Tomi Ungerer, hat auf mich die stärksten Eindrücke hinterlassen. Um den Text, mit dem Barbara Hazen Goethes Zauberlehrling nacherzählt, habe ich mich seinerzeit wenig gekümmert, denn es wurde sehr selten vorgelesen. Ich kann mich aber gut daran erinnern, wie gern und ausdauernd ich die Bilder betrachtet habe, die so viele kleine Entdeckungen zuließen. Der Illustrator hat wunderbar wenig Rücksicht auf die kindliche Psyche genommen. Das Schloss des Zauberers ist voller geheimnisvoller Gewölbe und Öffnungen, in denen sich Monstren, Mumien und Mutationen tummeln. Schleimige Tentakeln baumeln über Brunnenränder oder ringeln sich aus dunklen Löchern, Ersatzgebiss und Zahnbürste des Zauberers liegen am Rand des großen Wasserbeckens, das der Zauberlehrling täglich auffüllen muss. Die Katastrophe entwickelt sich rasant, die Bilder werden zu Sequenzen, man möchte die Seiten immer schneller umblättern um zum "Show Down", der Rückkehr des Zauberers, zu kommen. Für die Texte bleibt da sowieso keine Zeit.
Ein aktuelles Kinderbuch, das auch bestens ohne Text auskommen würde, ist "Die Straße. Eine Bilderreise durch 100 Jahre" mit Illustrationen von Gerda Raidt.
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Werner Holzwarth
um
21:10
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Montag, 9. April 2012
Lache, Bajazzo!
Einen meiner Lieblinge, den Bajazzo-Verlag, gibt es nicht mehr. Oder besser gesagt: Als eigenständiger Verlag unter der Leitung von Ingrid Rösli und Thomas Minssen ist er nicht mehr existent.
Aber – gute Nachricht – seine tollen Bücher leben weiter. Und zwar unter einem sehr renommierten Dach: dem von Beltz. Ich glaube schon, dass sie sich da wohl fühlen werden, die echten Kerle, oder die Maus, die was-auch-immer am Donnerstag macht, und der Löwe, der nicht schreiben konnte... Insgesamt 8 Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis konnte das kongeniale Duo mit dem fantastischen Blick für gute Geschichten in 15 Jahren für ihren Verlag verbuchen. Umso spannender jetzt die Frage nach dem Lieblingsbuch.
Ingrid Rösli schrieb:
Mein Lieblingsbuch ist "Das Baumhaus" von Marije Tolman / Ronald Tolman.
Dieses "Lieblingsbuch" wurde übrigens für den Jugendliteraturpreis nominiert. Wir hätten es sehr gerne herausgegeben!
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Werner Holzwarth
um
19:55
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Donnerstag, 8. März 2012
In Ali Mitgutschs Lieblingsbuch wimmelt es. Wen wundert's?
Jeder Leser dieses blogs kennt seine überdimensionalen Bilderbuchgeschichten, die sich bis heute über 4 Millionen mal verkauften und ihm zu Recht den Deutschen Jugendbuchpreis einbrachten. Wimmelbücher, in denen es noch liebenswert politisch unkorrekt zugeht. In denen beim Sonnenbaden auch mal Pobacken zu sehen sind, Piraten sich hemmunglos betrinken und Kinder schon mal frech in die Ecke pinkeln.
Ali Mitgutsch ist sehr beeindruckt von Hans-Joachim Gelbergs Buch „Wo kommen die Worte her?“.
„In diesem Buch hat Hans-Joachim Gelberg eine Reihe von neuen, poetischen mit warmem Humor geschriebenen Gedichten und eindrucksvolle Illustrationen miteinander versammelt. Man kann diese Arbeit jedem Kinderbuchfreund nur dringend ans Herz legen, weil hier ein repräsentativer Querschnitt aus dem aktuellen Schaffen deutschsprachiger Kinderbuchautoren und Illustratoren so wunderbar und mit viel Hingabe an die Sache, vereint worden ist.“
Leider konnte ich die Abdruckrechte für einzelne Seiten dieses beeindruckenden (Wimmel-)Buches mit Gedichten und Illustrationen von rund 200 AutorInnen und IllustratorInnen nicht erhalten, jedoch findet sich unter
http://www.beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/978-3-407-79986-9.pdf
eine wunderschöne Leseprobe.
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Werner Holzwarth
um
09:35
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Dienstag, 7. Februar 2012
Absolut mysteriös: Shaun Tan und sein Lieblingskinderbuch!
Sein mehrfach ausgezeichnetes Buch "The Arrival" (Ein neues Land) beschreibt die Reise eines Familienvaters in ein unbekanntes Land – und das ohne ein einziges lesbares Wort.
Doch jetzt zum Kommentar von Shaun Tan:
"...Vielen Dank für die Kontaktaufnahme (übrigens: „Die Geschichte vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ ist eine meiner Lieblingsgeschichten – es gibt viel zu wenige gute Detektiv- und Rachegeschichten in Bilderbüchern :))
Es ist sehr schwer, Kinderbuchfavoriten zu nennen, aber hier ist das Buch, das mir sofort dazu einfiel:
"The Mysteries of Harris Burdick" von Chris Van Allsburg.
Nicht zuletzt weil ich denke, dass dieses Buch einen großen Einfluss auf mich als jungen Bilderbuchillustrator hatte. Besonders die Feststellung, dass ein Bilderbuch jede Freiheit besitzt, sich
unkonventioneller Erzählformen zu bedienen. Das Buch besteht aus einer Reihe sehr atmosphärischer Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Jede einzelne zeigt ein merkwürdiges Ereignis, zu dem der Text zu fehlen scheint. Alles, was zu lesen ist sind Textfragmente und Titel, die die jeweiligen Bilder auch nicht eindeutig erklären. Es gibt weder ein Leitthema, noch eine Storyline, noch etwas, was dem Leser sonst weiterhelfen könnte.
Aber genau das ist es, was für mich wirklich großartige Illustration ausmacht: interessante Fragmente, Vignetten und Momentaufnahmen, die den Rahmen der Seite sprengen.
über den Aufbau machen können, hier der Text zu diesem Titelbild, das gleichzeitig als Innenseite vorkommt: UNTER DEM TEPPICH. Zwei Wochen waren vergangen and es geschah erneut.)
...ich mag, dass das Buch weder einen eigentlichen Anfang noch ein eigentliches Ende hat, kein Erzähltempo, keinen Spannungsbogen... Und das erinnert mich ständig daran, dass Bücher nicht linear sein müssen oder gar eine Sinn ergeben müssen. Sie müssen nur interessant sein und offen für breite Interpretation.
Ich bin nicht sicher, ob dieses Buch noch im Handel ist (ist es, d. Red.). Ich weiß jedoch, dass es oft als Anregung für kreatives Schreiben verwendet wird.
Beste Grüße
Shaun Tan."
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Werner Holzwarth
um
10:23
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Samstag, 24. Dezember 2011
Zu Weihnachten lässt es Daniel Napp so richtig (Dr.) brummen!
Er hat den kleinen Wassermann von Otfried Preußler neu in Szene gesetzt und Lotta ganz groß herauskommen lassen, doch die größte Fan-Gemeinde besitzt immer noch sein liebenswerter, tollpatschiger, bärenstarker Dr. Brumm, der übrigens jetzt gerade in allen Buchhandlungen das feiert, was ich Ihnen hiermit wünsche: Fröhliche Weihnachten.
Doch bevor es soweit ist, verrät uns Daniel Napp noch, dass er nicht nur eins, sondern mindestens vier Lieblingsbücher hatte, die ihn auf seinem Weg zu einem der aktuell erfolgreichsten deutschen Illustratoren (siehe: www.daniel-napp.de) begleitet und beeinflusst haben:
„Als Kind hatte ich zwei Lieblingsbilderbücher: »Der Maulwurf Grabowski« und »Ein Haus für Barbapapa«. Beide handeln von Vertreibung. Das gemeinsame Thema beider Bücher halte ich heute eher für einen Zufall. Ihr ganz besondere Reiz lag vor allem darin, dass ich mich mit den Protagonisten sehr stark identifizieren konnte.
Familie Barbapapa wächst und wächst, so dass sie nicht länger Platz im Gartenhaus findet. Zum Glück findet sie eine alte Villa. Doch kaum hat sie das Haus bewohnbar gemacht, kommen schon die Bagger, um es abzureißen. Wie oft habe ich mit den Barbapapas bei ihrem Kampf gegen die Maschinen mitgefiebert!
Eine ähnliche Geschichte ist die vom Maulwurf Grabowski. Im Gegensatz zu den Barbapapas ist er jedoch völlig auf sich allein gestellt. Die Empathie mit dem Helden war um so größer. Die Bilder sind so stark, dass die Geschichte nur wenige Worte braucht: Ein Bild, wie das des über die Straße robbenden Maulwurfs, spricht für sich selbst. Am Ende findet Grabowski eine große Wiese, in die er glücklich einen neuen Hügel gräbt. Meine Kindheitserinnerungen an das Ferienparadies Bad Tölz werden wach!
Erst zwanzig Jahre später, während meines Studiums in Münster, habe ich wieder angefangen, Bilderbücher zu lesen. Eigentlich wollte ich Comic-Zeichner werden – wer will schon Kinderkram machen? Aber dann zog ich zufällig das Buch »Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat« aus dem Regal unserer FH-Bibliothek. Was für eine Geschichte! Was für Illustrationen!
Und was für ein Finale ... »Wie du mir, so ich dir!« Werner Holzwarth ist ein Meister des Weglassens. Über den kleinen Maulwurf wissen wir überhaupt nichts, und doch ist er uns so vertraut. Viele Romanautoren brauchen dafür 300 Seiten.
Sven Nordqvist vereint, als Autor und Illustrator, ähnliche Qualitäten in einer Person. Mein Lieblingsbuch von ihm ist »Eine Geburtstagstorte für die Katze«. Am Anfang der Geschichte deuten die Nachbarn an, dass sie die Hauptfigur, Pettersson, für verrückt halten. Aber der alte Mann ist sehr wohl noch bei klarem Verstand. Trotzdem führt sein Handeln dazu, dass er für seinen Nachbarn Gustavsson am Ende als kompletter Spinner dasteht. Durch den Kunstgriff dieser Klammer macht Nordqvist aus einer an sich harmlosen Geschichte Literatur.
Eingestellt von
Werner Holzwarth
um
10:24
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